Das Chiemgau von seiner schönsten Seite

 

 

Schon bei der Ankunft auf dem Parkplatz unterhalb der Burg von Marquartstein zeigten sich die weiß überzuckerten Gipfel der Chiemgauer Berge. Der erste Wintereinbruch hielt uns nicht davon ab an der Nordseite den 1744m hohen Hochgern zu erwandern. Das erste Ziel war die kleine Kirche auf dem Schnappenberg. Auf breitem Forstweg machten wir uns auf den Weg. Nach etwa 200m gaben Wegweiser die verschiedenen Richtungen vor. Wir bogen links in den Waldweg ab und erreichten nach gut 1 1/2 Stunden die Schnappenkirche auf 1100m Höhe. Diese liegt auf einer Lichtung hoch über der Ortschaft Staudach. Die Aussicht bis weit ins Alpenvorland und auf dem Chiemsee zog uns sofort in ihren Bann.
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Bei Temperaturen knapp über Null Grad war ein Schluck heißer Tee aus der Thermoskanne gerade richtig.  Und natürlich durfte ein kurzer Besuch in der neu renovierten Kirche nicht fehlen. Der Weiterweg hinüber zur Staudacher-Alm führte uns wieder hinein in den Bergwald. Die Strahlen der Morgensonne verzauberten die Laubbäume in ein goldenes Blättermeer, und manchmal schien es als würden die Nadelbäume glühen.
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Nach leichtem  Auf und Ab erreichten wir die Alm. Diese lag in einer Senke im Schatten der Felswand. Hier waren die Temperaturen wie im Eisschrank. Die dünne Schneeschicht, die die Almwiesen überzog, und das  Knirschen unter unseren Füßen vermittelte einen Hauch von Winter. Nun folgte ein steiles, felsiges  Stück Aufstieg, der „Steinerne Acker“. Der stellenweise vereiste Steig mahnte zur Vorsicht. Schweißtreibend ging es steil hinauf, unter einer senkrechten Felswand vorbei, bis der Steig in einem Sattel endete. Endlich standen  wir in der Sonne. Wieder zog das „Bayerische Meer“ unsere Blicke der auf sich. Wie eine riesige Pfütze lag der Chiemsee im Tal. Schier endlos weit reichte die Sicht nach Norden, bis ein weit entferntes Wolkenband den Horizont abzeichnete. Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es nun durch eine fast geschlossenen Schneedecke weiter Berg auf. Mit jedem Höhenmeter mehr kamen die Gipfel von Geigelstein, Kampenwand und Kaisergebirge zum Vorschein. Bald war der Sattel unterhalb des Gipfelanstieges erreicht. Nun nochmals steil hinauf das Gipfelkreuz vor den Augen.
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Pünktlich um 12.00 Uhr erreichten wir unser Tagesziel, den 1744m hohen Gipfel des Hochgern. Mit seiner Miniausführung der Schnappenkirche, seinem weithin sichtbaren Gipfelkreuz und dem herrlichen Panorama ist dieser Berg ein grandioser Aussichtsthron in den Chiemgauer Bergen. Durch die kalte , klare Luft und dem strahlend blauen Himmel schienen Dachstein, Hoher Göll und Watzmann im Osten, die Loferer Steinberge, die Hohen Tauern und das Kaisergebirge im Süden, sowie weit hinten im Westen das Karwendel, zum Greifen nah. Bei einer längeren Rast, mit Brotzeit aus dem Rucksack und  einem Gipfelwässerchen genossen wir das Gipfelpanorama.

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Der Abstieg an der Südseite hinunter zum Hochgernhaus mahnte nochmals zur Vorsicht. Der von der Sonne aufgetaute Schnee verwandelte den Steig in eine rutschige Angelegenheit, was allerdings für geübten Alpinisten keine Herausforderung darstellt. An der Hütte angekommen ließen wir uns auf der Sonnenterrasse nieder. In geselliger Runde verbrachten wir den Nachmittag mit Hüttenschmankerln, Weißbier und BiGa-Likör. Bei solch herrlichen Bedingungen viel es uns schwer den Rückweg zum Parkplatz anzutreten. Wieder in Pocking angekommen verspürten wir alle den Wunsch auf noch etliche solcher grandiosen Herbstwanderungen.

Bericht und Fotos: Anita Kälker