Hochtour in Osttirol im Nationalpark Hohe Tauern

Pockinger DAV-Mitglieder vier Tage lang unterwegs am Lasörling-Höhenweg

 

Bereits um fünf Uhr morgens begann für acht Mitglieder der DAV Ortsgruppe Pocking die Anreise über den Pass Thurn und die Felbertauernstraße nach Matrei in Osttirol, wo am vorgesehenen Zielpunkt der Wanderung die beiden Autos geparkt wurden. Zum Ausgangspunkt der Tour ins ca. 20 km entfernte und auf 1400 m gelegene Ströden am Ende des Virgentals gelangten die Teilnehmer dann mit dem Postbus. Gegen halb elf ging es dann zu Fuß, zunächst auf einer gemütlichen Kiesstraße entlang der Isel weiter zur Islitzeralm, wo man zur Stärkung eine kleine Pause einlegte. Nach dem überqueren der an der Alm vorbeifließenden Isel, führte nun in Richtung Süden ein steiler Forstweg in zahlreichen Kehren hinauf zur ungefähr 500 m höher liegenden Kleinbachalm und dann zur weiter westlich, bereits über der Baumgrenze liegenden Großbachalm. Auf dem nun in einen Steig übergehenden Weg. Anfangs flach durch bereits in herbstliche Farben leuchtende Almwiesen, später steil über kargen Fels erreichten die Alpinisten die 2610 m hoch gelegene Bachlenke. Von hier oben bot sich den zum Teil schon etwas erschöpften Wanderern ein herrlicher Ausblick zum nördlich gelegenen vergletscherten Venedigermassiv mit hoher Zaun, Schwarze Wand, Rainer Horn und Großvenediger. Einem kurzen Abstieg folgend wurde nach ca. fünf Stunden Gehzeit die auf 2580 m hoch, idyllisch und einsam am blaugrün schimmernden Bödensee liegende Neue Reichenberger Hütte erreicht.

Ausgeschlafen und von einem reichhaltigen Frühstück gestärkt wurde dann am nächsten Morgen der etwa 6 Stunden dauernde Übergang zur Lasörlinghütte angegangen. Beim Aufstieg zur Roten Lenke war mehrfach lautes Donnern von Steinschlägen an der Nordseite des zurückliegenden Panargenkamms zu hören. Bei der nachfolgenden Durchquerung des Kleinbachboden und dem anschließenden Aufstieg zum Prägrater Törl herrschte dagegen einsame Stille, die nur gelegentlich durch die schrillen Warnrufe der Murmeltiere unterbrochen wurde. Am 2853 m hohen Übergang stand nun als Höhepunkt der mehrtägigen Bergtour die Besteigung des 3098 m hohen Lasörlinggipfels bevor. Da es an dieser Stelle aber keinen direkten Weg auf den Berg gibt, mussten hier allerdings zuerst einmal mehr als 200 Höhenmeter durch eine Geröllrinne ins Mullitztal abgestiegen werden. Ohne Rucksack, nur mit Getränk und Regenjacke ausgerüstet wurde zunächst steil über loses Blockgestein aufgestiegen; im oberen felsigen Abschnitt mussten für kurze Passagen dann auch mal die Hände zu Hilfe genommen werden. Ein traumhafter Fernblick zur Rieserfernergruppe im Westen, Venedigermassiv im Norden, Großglockner im Osten und den südlich gelegenen Dolomiten eröffnete sich den am Gipfelkreuz angekommenen Teilnehmern. Nachdem es nun leicht zu Regnen begann wurde nach kurzer Gipfelrast zügig wieder abgestiegen und die letzten Kilometer zur Lasörlinghütte flotten Schrittes zurückgelegt.

Am dritten Tag stand eine Gratwanderung über mehrere Gipfel bevor. Von der Hütte aus ging es erst einmal in südliche Richtung über das Virgentörl zu den Gritzer Seen. Das bereits an den südlichen Hängen des Defereggentals liegende Almgebiet mit erdigen Untergrund und üppiger Vegetation unterschied sich deutlich von der felsigen Landschaft der Nordhänge. Der nachfolgenden Querung der Südhänge von Gritzer Hörndle und Gritzer Riegel folgte dann ein mäßig steiler Anstieg auf den 2653 m hohen Speikboden. Das hier oben stehende Gipfelkreuz, eine zehn Meter hohe Holzkonstruktion wurde von einheimischen Kriegsheimkehrern errichtet und den gefallenen und vermissten Soldaten des zweiten Weltkriegs gewidmet. Der Übergang zu den nachfolgenden Gipfeln von Donnerstein und Zupalkogel verlief ohne nennenswerte Höhenunterschiede größtenteils direkt auf einem Grat, nur kurze Abschnitte führten unterhalb an den steilen Grashänge entlang. Nach einer kurzen Rast am Zupalkogel erfolgte – begleitet von acht lautlos und ohne Flügelschlag über den Tourteilnehmern hinweg schwebenden Geiern – der Abstieg über das Legerle zur Zupalseehütte.

Den kurzen Regenschauern am Abend folgte am nächsten Morgen, für den letzten Tag der Bergtour wieder ideales Bergwetter mit einem Mix aus Sonne und Wolken. Die Landschaft am Abstiegsweg mit nur leichten Gefälle, entlang den Nordhängen von Oberst- und Torkogel wechselte allmählich von der kargen Hochgebirgslandschaft in lichten Nadelwald über. Abwechselnd über kleine Bäche, durch dichten Wald, vorbei an kleinen Seen und quer über kleine lichte Almwiesen mit herrlicher Aussicht gelangten die Wanderer zur Arnitzalm mit ihren wunderschönen alten Holzhäusern. Nach kurzer Rast an diesen Kleinod ging es weiter zur abschließenden Einkehr auf die bewirtschaftete Zunigalm. Bei einem kurzen Rückblick auf eine anstrengende, aber entschleunigende Bergtour entlang einer der schönsten Höhenwege der Ostalpen genossen die Pockinger Alpenvereinsmitglieder noch Kaiserschmarren oder Heidelbeeromelett der Extraklasse. Nach letzten 700 Höhenmeter Abstieg zum Parkplatz durch schattenspendende Lärchen- und Fichtenwälder folgte die Heimreise ins Rottal.