Pockinger Alpinisten bezwingen Klettersteige in den Dolomiten

Das Bergmassiv des Rosengartens bescherte Traumtage und Traumtouren.

Die Rosengartengruppe in den Südtiroler Dolomiten zählt zu den wohl schönsten Klettersteiggebieten Südtirols, und genau aus diesem Grund fuhr auch eine 7köpfige Gruppe des Pockinger Alpenvereins in den Naturpark Schlern-Rosengarten. Der Wetterbericht versprach beste Bedingungen und alle waren schon gespannt auf die kommenden fünf Tage.
Am Karersee bei der Seilbahnstation Paolina war Ausgangspunkt. Die ersten Höhenmeter wurden mit dem Doppelsessellift zurückgelegt, denn man wollte ja am ersten Tag noch einen Klettersteig machen. Von der Bergstation auf 2125m ging es nun auf leichtem Wanderweg vorbei am Christomannos Denkmal hinüber zur Rotwandhütte, 2280m die bereits nach einer knappen Stunde erreicht war. Hier waren die Zimmerlager schon bestellt. Es war 12.00 Uhr und noch genügend Zeit für die Ferrata del Masare`. Gleich neben der Hütte war der Zustieg zum Steig der die Pockinger durch den Masare`-Kamm führte. Auf breiten Bändern ging es gut gesichert bis zu einem kurzen aber rassigen Kamin. Die erste Herausforderung wurde souverän gemeistert. Weiter ging es im kühnen Auf und Ab zwischen wilden Felstürmen hindurch. Doch plötzlich ein Regenschauer. Kurz aber ausreichend um die Felsen rutschig zu machen. In voller Konzentration ging es durch die steilen oft ausgesetzten Passagen. Nach etwa drei Stunden waren die Alpinisten am Ausstieg angelangt. Beim Abstieg zur Hütte blickte man mit einer gewissen Genugtuung zurück auf das wilde Bergmassiv.


Am nächsten Morgen weiß-blauer Himmel. Im Süden am Horizont zeigten sich die Berggipfeln von Palagruppe und Lagorai. Heute stand der Rotwandklettersteig auf dem Programm. Der Zustieg führte die Pockinger Gruppe unterhalb der majestätischen Rotwand vorbei und hinauf durch eine steile Rinne zum Vajolonpass auf 2560m. Hier wurde auch wieder das Klettersteigset angelegt und los ging es. Der Klettersteig im Schwierigkeitsgrat A/B stellte keine große Herausforderung dar war aber in diesem herrlichen Ambiente ein reiner Genuss. Beeindruckend grüßte die Tscheinerspitze den Ferratisten zu. Die Ferrata verläuft über einem nach Nordosten ausgerichteten Felsrücken und ist tadellos gesichert. Höhenmeter für Höhenmeter kamen die DAVler dem Gipfel näher und nach einem kurzweiligen Klettersteigvergnügen war bereits um 10.00 Uhr das Gipfelkreuz auf 2806m erreicht. Jetzt galt es Panorama genießen. Von Süden grüßte die vergletscherte Marmolada, im Westen die Brenta und im Osten der markante Sellastock nur im Norden verhüllten weiße Wolken den Alpenhauptkamm. Der Abstieg erfolgte zuerst über einen breiten Grasrücken nach Südosten. Doch bald stellte sich wieder steiles Gelände ein. Wieder Seilversicherungen und eine luftige Querung und der Ausstieg vom Klettersteig war erreicht. Wieder an der Rotwandhütte angekommen Mittagspause. Danach wieder Rucksack packen, denn man musste an diesem Tag noch über den Cigoladepaas, 2550m bis zur Vajolethütte, 2243m die um 17.30 Uhr erreicht war.

Am dritten Tag brach die Gruppe kurz nach 8.00 Uhr mit vollen Rucksäcken auf. Über einen breiten Karrenweg gelangten die DAVler in knapp einer Stunde zur Grasleitenpasshütte, dem nächsten Quartier. Hier wurde Ballast abgelegt und das Klettersteigset angelegt. Der Kesselkogel mit 3002m ist der höchste Gipfel des Rosengartens. Dessen Überschreitung hatten sich die Pockinger für diesen Tag vorgenommen. Kurz oberhalb der Hütte befindet sich der Einstieg in den westlichen Klettersteig. Schmale Bänder, tiefe Rinnen und luftige Querungen mussten gemeistert werden und kurz vor dem Gipfel noch ein unversicherter Grat. Aber was wäre ein Klettersteig ohne Nervenkitzel? Pünktlich um 12.00 Uhr mittags standen alle parat zum Gipfelfoto. Ein breites Grinsen stand allen im Gesicht und das Gefühl etwas Tolles geschafft zu haben. Vom Kesselkogel aus sieht man auch hinüber zur berühmten Seiser Alm und auch die Stubaier und Zillertaler Alpen konnte man in der diesigen Luft erkennen. Der Abstieg führte nun in den östlichen Teil des Klettersteiges. Nach einem kurzen ungesicherten Grat folgten wieder Seilversicherungen, Klammern und Eisenleitern. Steil war der Abstieg hinunter fast bis zum Antermoiertal. Aber gleich nach dem Ausstieg führte ein unmarkierter Weg über eine Schotterreiße, so kamen die DAVer fast ohne berg auf hinüber zum Antermoapass auf 2770m. Von hier ging es flott zurück zur Grasleitenpasshütte. Wieder ein herrlicher und ausgefüllter Tag ging zu Ende.

Am 4. Tag wurde es nochmals abenteuerlich. Die Gruppe wollte hinüber zur Rosengartenhütte und zwar über den Sandnerpass, und das von oben nach unten. Der Morgen auf der Passhöhe war kalt. Die Hütte lag noch im Schatten. 6° Celsius zeigte das Thermometer und ein kräftiger Wind pfiff den Ferratisten um die Ohren. Das sei hier immer so meinte der Hüttenwirt. Voll bepackt ging es wieder ein Stück zurück in Richtung Vajolethütte. Die steilen Spitzen der Lämmerköpfe ragten in den blauen Himmel. Schon nach kurzer Zeit war vom Passwind nicht mehr viel zu spüren und die Gruppe verließ den Schatten. Schnell waren die warmen Jacken verstaut. Ein schmaler Steig führte nun die Alpinisten zu einer felsigen Rinne. Wieder Seilversicherungen. Die Sonne heizte den Felsen auf und die vollgepackten Rucksäcke schienen immer schwerer zu werden. Endlich zeigte sich die Gartlhütte, 2621m und daneben die schroffen, bizarren Vajolettürme. Wie Nadeln ragten sie in den blauen Himmel. Bei der Hütte roch es schon nach frisch gebackenen Kuchen. Da ließen sich die Alpinisten nicht lange bitten und eine kurze Pause kam gerade recht. Gut gestärkt wanderte man unter den König Laurin Wand im leichten Anstieg hinauf zum Santnerpass, 2734m. Hier begann der abenteuerliche Abstieg. Der teilweise gesicherte Santnerpass gilt im Aufstieg als unschwierig doch im Abstieg stellt er doch eine gewisse Herausforderung dar. Im oberen Teil geht es gleich steil die Felsen hinunter. Gestreckte Arme und mit den Schuhen auf Reibung am Fels so ließen sich die ersten Hürden gut überwinden. Das nächste Steilstück endete an einem Schneefeld das mittels eines Fixseiles überquert werden konnte. Anschließend kurz nach oben um danach gleich wieder steil durch eine Felsspalte nach unten, aber diesmal ohne Sicherung. Schmale Bänder und enge Felsspalten und luftige Querungen prägten den Abstieg und das oft ungesichert im I.-II. Klettergrat. Der Abstieg erforderte vollste Konzentration und so spürten die Pockinger auch nicht mehr ihre schweren Rucksäcke. Dann endlich wieder ein normaler Steig und flacheres Gelände. Der Schotterweg führt die Pockinger unterhalb der Felsabbrüche des Costa de Davoi hinüber zum letzten schrofigen Absatz. Nochmals kurz festhalten und die Rosengartenhütte war erreicht. Nach dieser Anstrengung schmeckte der Kaiserschmarrn gleich doppelt gut. Hier verbrachte mal auch die letzte Nacht.

Am letzten frühen Morgen war die Luft klar und so schienen Brenta, Adamello und die Ortlergruppe zum Greifen nah, so auch die Ötztaler und Stubaitaler Alpen. Ein letztes Mal noch ein Hüttenfrühstück. Mit etwas Wehmut wandere die Gruppe auf dem aussichtsreichen Hirzler Weg zum Christomannos Denkmal. Hier schloss sich der Kreis. Nach einer halben Stunde leichter Wanderung war man schon beim Paolinalift der die Alpinisten zurück zum Ausgangspunkt brachte.